Montag, 30. Juli 2012

Servus i bin’s – da Tertulin!


Jetzt war es ein paar Tage ruhiger um mich, und doch war ich fleißig unterwegs.
Beim Elternbeirat hab ich mich ganz arg beherrscht und versucht nur keine Unordnung in die vielen, vielen Zettel mit den Unterschriften zu bringen.
In manchen Familien werde ich jetzt schon als Kinderbeglückung genutzt und dann gibt es Menschen, die mich ganz höflich darauf aufmerksam machen, dass ja der Herr Hochwürden am Sonntag seinen Abschied feiert.

Am Freitag hab ich mich ein bisserl verdrückt, hab das schöne Wetter ausgenutzt und bin nach Füssen gefahren, wo ich nicht nur bei der Maria ein Kerzerl für uns angezündet habe, sondern auch erfahren habe, dass ich jetzt gemalt werden soll – au weia und das wo ich doch so schüchtern bin. Die Idee ist aber auch ganz gut, denn ich werde definitiv auch über die Ferien keine Ruhe geben – wo ihr seid, da bin auch ich!

 Samstag hab ich keinen guten Tag gehabt. Da hab ich mich vom Freitag erholen wollen, und mir so meine Hängematte von einem Kirchturm zum anderen gespannt. Ich wollt ein bischen dösen, als mir ohne große Vorwarnung so Plitsch, Platsch die Regentropfen um die Ohren gesaust sind und dann hat es auch noch gebrummelt und gedonnert, zum Fürchten war das. Hat aber sehr gut zu meiner Laune gepasst.

Was soll denn das, meine Mädels sind nach wie vor durcheinander und eine Heerschar an Männerleuten noch dazu; sie bekommen so tolle Unterstützung von der Presse und vom Fernsehen und vom Radio und von Politikern und von so vielen Leuten, die sich einfach von mir umarmen lassen…. -aber da in München, da geht einfach Nichts weiter? Das ist so frustrierend.

Hoffentlich hat wenigstens die Frau vom Schulchef einen schönen Geburtstag gehabt. Hab ihr ein paar Blümchen da in dem neumodernen Plattformdingens hinterlegt und versucht ihr weiterhin Mut zuzusprechen, schließlich muss sie den Boss ja bei Laune halten.

Hach ja, und dann gibt es da die Leute, die schreiben und schreiben und nur so einen Einheitsbrei oder gar keine Antworten zurückbekommen. Traurig ist das, mir ist doch wirklich ein Geistertränchen ausgekommen. Dabei sollt ich mir meinen Kittel doch nicht schmutzig machen, wo doch am Sonntag die Verabschiedung vom Herrn Pfarrer ist. 15 Jahre war er jetzt da und hat so manche Höhen und Tiefen mit uns erlebt. Und dafür gesorgt, dass die Orgel wieder so schöne Musik macht – hach ich sag es Euch, das ist ein Genuss! Er hat einmal gesagt: „Viele Menschen erreicht man über die Musik.“ – Ein sehr schöner Gedanke, wie ich finde – vielleicht fällt dazu ja meinen Mädels und ihren Mitstreitern noch etwas ein. 

Hat mich die Frau Hofmann am Freitag mit einer Zahl überrascht, so bin ich heute, am Sonntagnachmittag mit dem 15 Uhr Läuten endgültig aus meiner Hängematte gepurzelt.

14.000!!!

Das ist so unheimlich viel – so alt ist manch einer meiner Geisterkollegen nicht geworden! Ich glaub ich war die letzten zwei Wochen ganz schön fleißig im Leute-umarmen. Aber noch viel fleißiger waren alle die, die ich schon umarmt hatte und die mich weiterteilen. Ich bin so stolz auf Euch!- Aber bitte jetzt nicht nachlassen. Wir müssen denen allen zeigen, wie be-geist-ert wir sind und warum wir unsere Schule behalten wollen.

So, nachdem ich die letzten Tage ja einige Male beim Nachmittagsschläfchen gestört worden bin und ich so fleißig war, werde ich jetzt schlafen gehen, damit ich morgen fit bin. Ich freu mich schon so ganz arg – 499 Luftballons machen hier alles bunt. Mich würde nur interessieren, wo die Nummer 500 geblieben ist? Allerdings habe ich den Verdacht, dass den ein Schlehdorfer Bürger mit seiner Höllenmaschine kaputtgefahren hat. Auch das finde ich noch raus!

Beinahe hätte ich ja noch etwas vergessen. Habt Ihr das gesehen? Diese Engländer, nein wirklich! Nicht nur, dass die eigentlich ja dieses komische Wetter haben sollten, nein – jetzt haben sie auch noch Olympia! Der Geist da, das ist mein ganz persönliches großes Vorbild. Seine Gesinnung ist es, Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen, mit den verschiedensten Ideologien, gemeinsam friedlich für eine Sache kämpfen zu lassen. Das find ich so super – und das können wir auch!

In diesem Sinne habt eine gute Nacht, ich bin bei Euch
Tertulin – Geist von Schlehdorf

 (Michaela Buder 7/2012)

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