Sonntag, 22. Juli 2012

Pressemitteilung Erzdiözese München-Freising 20.07.2012

Ordinariat erläutert Schließung der Realschule Schlehdorf

Antwortschreiben an Schülerinnen, Eltern und weitere besorgte Menschen
München, 20. Juli 2012. Nach der Ankündigung, dass die Mädchenrealschule St. Immaculata in Schlehdorf nach dem Schuljahr 2017/2018 geschlossen wird, haben sich zahlreiche Schülerinnen, Eltern, ehemalige Schülerinnen und weitere besorgte Menschen aus Schlehdorf und der Region an den Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, und seinen Generalvikar, Prälat Peter Beer, gewandt. In ihrem Auftrag beantwortet Ordinariatsdirektorin Sandra Krump, Leiterin des Ressorts Bildung, die Zuschriften und erläutert nochmals die Entscheidung des Erzbischöflichen Ordinariats, was wir im Folgenden dokumentieren:

„Viele Eltern schreiben, dass sie die Mädchenrealschule in Schlehdorf besonders schätzen, weil ihre Mädchen gerne diese Schule besuchen, eine gute Ausbildung und christlich geprägt Erziehung dort erhalten. Auch ehemalige Schülerinnen bestätigen dies. Dies sind auch die Gründe, warum das Erzbistum die Mädchenrealschule St. Immaculata sehr schätzt und in den zurückliegenden Monaten und Jahren immer wieder versucht hat, den Fortbestand zu sichern. Leider ist uns dies nicht gelungen. Es ist verständlich, dass sie auf folgende Fragen Antworten erwarten:

Warum wird die Mädchenrealschule St. Immaculata in Schlehdorf geschlossen?

Im unmittelbaren Einzugsbereich der Mädchenrealschule wurde eine neue staatliche Realschule in Murnau gegründet. Um die Mädchenrealschule St. Immaculata nicht zu gefährden, wurde diese neue Schule vom Kultusministerium zunächst nur für Jungen geöffnet. Auf massive Elternproteste und entsprechende politische Reaktionen auf Gemeinde- und Kreistagsebene teilte nun das Kultusministerium mit, dass die staatliche Realschule in Murnau künftig auch Mädchen aufnehmen wird. Damit fehlen der kirchlichen Mädchenrealschule in Zukunft aber sehr viele Schülerinnen, da mehr als die Hälfte der Schlehdorfer Schülerinnen aus dem Einzugsgebiet der Realschule Murnau kommen.

Kann man die Verluste an Schülerinnen durch die neue Realschule nicht auffangen, indem man auch Buben in Schlehdorf aufnimmt?

Das Haupteinzugsgebiet der Mädchenrealschule Schlehdorf liegt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Dieser Landkreis ist als einziger Landkreis in der Erzdiözese München-Freising von einer sehr massiven Ausprägung des demographischen Wandels betroffen. Eine Studie, die vom Landkreis selbst veröffentlicht wurde, errechnet auf der Basis amtlicher Zahlen, dass allein in der für eine Realschule relevanten Altersgruppe (d.h. 10- bis 16-Jährige) ein Rückgang von 30 % im Zeitraum zwischen 2008 und 2028 zu erwarten ist. Dieser Rückgang wird sich nicht gleichmäßig über diesen Zeitraum verteilen, sondern die Studie geht von einem schnellen und starken Rückgang der Schülerzahlen aus. Das heißt: Zusätzlich zu den Schülerinnenverlusten durch die neue staatliche Realschule werden die Schülerinnen- und Schülerzahlen in den kommenden Jahren stark zurückgehen. Man kann deshalb nicht damit rechnen, dass durch die zusätzliche Aufnahme von Jungen (die ja auch immer weniger werden) künftig weiterhin ausreichende Schülerinnen- und Schülerzahlen für Schlehdorf erreicht werden können. Der massive Rückgang der Schülerzahlen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen kann auch durch den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen als weiteres Einzugsgebiet nicht kompensiert werden.

Warum kommt die Entscheidung, Schlehdorf 2018 zu schließen, so schnell?

Diese Entscheidung kommt nur vermeintlich schnell. Bereits mit der Gründung der staatlichen Realschule in Murnau 2011 war die starke Gefährdung der Mädchenrealschule Schlehdorf deutlich – hier stimmten Kultusministerium und Ordinariat in ihrer Einschätzung der Lage vollkommen überein. Auch die Tatsache, dass die Schülerzahlen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen stark abnehmen werden ist seit mehreren Jahren bekannt. Weiter haben wir mit Sorge die sich schon über einen längeren Zeitraum erstreckenden Elterninitiativen in Murnau zur Öffnung dieser Schule für Mädchen beobachtet. – Es gab also einen recht langen zeitlichen Vorlauf, während dessen immer wieder neue Möglichkeiten für eine Stabilisierung der Mädchenrealschule in Schlehdorf überlegt und gedanklich erprobt werden konnten. Alle diese Überlegungen haben aber stets zu dem gleichen Ergebnis geführt: Die Kombination von starkem demographischen Wandel und einer möglichen Öffnung der staatlichen Realschule in Murnau für Mädchen kann durch keine anderen Maßnahmen ausgeglichen oder aufgefangen werden. Deshalb hat das Ordinariat auch Ende März 2012 nochmals in einer Pressemitteilung deutlich auf die starke Gefährdung von Schlehdorf bei einer Öffnung der Realschule in Murnau hingewiesen. Es tritt also jetzt das ein, was schon lange klar war und worauf wir stets in den letzten Monaten und Jahren warnend hingewiesen haben.

Wird die geplante Fachoberschule in Garmisch-Partenkirchen auf Kosten von Schlehdorf gegründet?

Nein. Die Überlegungen, wie es im Falle einer Öffnung der staatlichen Realschule in Murnau mit Schlehdorf weitergehen soll, sind unabhängig von allen anderen Überlegungen angestellt worden.

Wir können sehr gut nachempfinden, dass die Schließung der Mädchenrealschule bei Ihnen Trauer, Bestützung und Wut auslöst. Auch verbinden viele mit der Mädchenrealschule das Gefühl von Heimat – und der Verlust von Heimat schmerzt und ist emotional belastend. Auch wir haben lange Zeit gehofft, dass es doch noch eine andere Entwicklung geben könnte und haben am Ende doch die Tatsachen akzeptieren müssen.

Wir wollen die Folgen, die die Schließung der Mädchenrealschule St. Immaculata hat, für die Betroffenen soweit wie möglich abfedern. Deshalb haben wir allen Lehrkräften und auch allen anderen Beschäftigten an der Schule die Zusage gegeben, dass sie ihre Arbeit nicht verlieren werden. Mit den Lehrkräften und Beschäftigen werden wir in den kommenden Jahren gemeinsam nach Lösungen suchen – alle werden an einer anderen kirchlichen Schule in der Region einen Platz finden.

Auch mit den Missionsdominikanerinnen als Eigentümerinnen des Schulgebäudes haben wir Gespräche über die künftige Nutzung des Gebäudes aufgenommen. Da eine Schließung der Schule erst in 6 Jahren erfolgen wird, haben wir genug Zeit, um hier gemeinsam in Ruhe gute Lösungen zu finden.

Wir stehen zu unserer Zusage, dass die Schülerinnen, die jetzt bzw. ab dem kommenden Schuljahr die Mädchenrealschule St. Immaculata besuchen, dort ihren Abschluss machen können. In den 6 noch verbleibenden Jahren bis zur Schließung der Schule 2018 werden wir die Schülerinnen und die Lehrkräfte unterstützen, beraten und begleiten.“
Quelle: http://www.erzbistum-muenchen.de/Page006352_23861.aspx

1 Kommentar:

  1. „Die Bildungsarbeit gehört zu den zentralen Aufgaben der Kirche.“ Das sagte Ordinariatsdirektorin Dr. Sandra Krump auf der Mitgliederversammlung des Münchner Bildungswerks (MBW) am 19. April 2012 in der Pfarrei St. Bonifaz. Dr. Krump ist die Leiterin des Ressorts Bildung im Erzbischöflichen Ordinariat München. Die Kirche sei die einzige Institution, die das lebenslange Lernen der Menschen wirklich ernstnehme. „Von der Kindertagesstätte über Schulen bis hin zur Seniorenbildung begleiten wir Frauen und Männer durch alle Dimensionen des Menschseins“, sagte Dr. Sandra Krump. „Im Zentrum steht die Frage: wie kann die Bildung den Menschen dabei helfen, dass sie ein gelingendes Leben führen können?“ Die Kirche sei nach dem Staat der zweitgrößte Bildungsträger in Deutschland. „Diese wichtige Arbeit muss von der Gesellschaft besser wahrgenommen werden“, forderte Dr. Krump.

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