Dienstag, 24. Juli 2012

Der Geist von Schlehdorf ist erwacht ...

Servus i bin´s da Tertulin!


Heute möchte ich Euch mal was aus meinem „Leben“ erzählen.

Heimisch bin ich jetzt schon seit knapp 60 Jahren im schönen Kloster Schlehdorf, am Kochelsee. Damals, bei der Grundsteinlegung der Schule bin ich aus meinem Ei geschlüpft und meine Kollegen meinten, dass ich Tertulin heißen müsste, weil die Pfarrkirche – in deren Glockentürmen ich mein zu Hause habe – auf den Heiligen Tertulin geweiht wäre.

Seitdem die Schule eröffnet worden ist, hab ich einen tollen Job.

Jedes Jahr zu Beginn des Schuljahres kommen hier ganz viele junge, hübsche Mädels, die ich fest umarme und sie ab diesem Tag durch ihr ganzes Leben begleite. Viele hab ich schon kommen und gehen sehen, die Meisten kommen immer wieder.

Auch die Lehrer – ach ich sag´s Euch im Geheimen, ich hab es sogar schon geschafft, dass sich zwei von denen zusammentun und sich vermehren - *juchz* - die umarm ich ganz fest.

So wie das Schuljahr geht, so hab ich meinen Platz hier in Schlehdorf.

 Normalerweise mach ich es mir Anfang Juli, wenn die schlimmste Prüfungszeit vorbei ist, da oben in meiner Hängematte zwischen den beiden Kirchtürmen bequem und genieß die ruhigeren Stunden, bevor ich meine Zehntler entlassen kann – das ist immer ein toller Tag, wenn man sieht, was aus den jungen Küken geworden ist, da wird es mir gleich immer ganz hui….

Doch dieses Jahr ist alles anders.

Wie ich da am Mittwoch 11. Juli 2012 so in meiner Hängematte vor mich hindöse, merke ich plötzlich, dass irgendwas nicht stimmt. Mir wird ganz schummerig und komisch zumute und so beschließe ich mal eine Runde durch meine Mädels zu fliegen.

Und was sehe ich da? Tränen, ganz viele meiner Mädchen weinen. Ja sowas? Schnell auf ins Lehrerzimmer, wo ich lauter bedrückte Gesichter erblicke, tiefe Sorgenfalten beim Chef. Da such ich den Exhäuptling, die Sr. Josefa und auch die ist ganz verändert. Sapperlot was ist nur los? Zurück ins Lehrerzimmer und die Lauscher aufgesperrt – „Schulschliessung“ hör ich da und erwische einen Zettel, auf dem das ganze Grauen zu lesen ist.

In mir ballt sich alles zusammen, ich setz mich erst mal auf eine der Turmspitzen um mich zu sammeln – da sehe ich sie wieder – die dicke graue Wand, die sich die letzte Zeit im Westen immer fester auftürmt, da ist er wieder, der eklig-schweflige Geruch, der aus der großen Stadt herausweht.

Blitzdonnerwetter – so geht das nicht!

Ich sammle mich und husche zu meinen Mädchen, den Lehrern, ja den Bürgermeister hab ich auch besucht, die ehemaligen Lehrkräfte und jedem hauche ich ein bischen etwas von mir ein, damit er eine Extraportion von mir hat – zum daheim Weitergeben, denn wenn man mich teilt, dann werde ich stark.

Und es funktioniert – sie tragen mich alle hinaus: Zu ihren Eltern, zu den Freunden und Bekannten, zu Passanten und an die Presse…. Und schon geht es los – überall sind bunte Plakate zu sehen, die Zeitung ist da und auch das Fernsehen und der Rundfunk.

Die Tage ziehen ins Land und ich merke das Vibrieren in den Telefonleitung, das Summen der Computer und teile mich und teile mich.

Ein vorläufiger Höhepunkt ist dann der Mittwoch 18. Juli – sie sind da.

Mir ist heut noch ganz schummrig von der Aktion, da ich sie mir alle von diesem neumodernen Fliegeteil aus ansehe. Sie sind gekommen – über 1000 Leute. In all ihnen bin ich.
Ja, sie singen sogar – ich wäre erwacht! Recht haben sie!

Hach und dann mein Lieblingstag im Jahr – die 10.ler feiern ihren Abschluss ..

Da umarme ich die feschen jungen Damen noch einmal ganz feste. Auch wenn es dieses Jahr irgendwie anders war.

… und ich werde keine Ruhe geben, bis nicht endlich die Wahrheit über die Beschlüsse ans Licht kommt, ich werde niemals ruhen, denn ich werde immer da sein, wo die sind, die ich umarmt habe und die mich in sich wohnen lassen – sie werden mich weitertragen und daran stark werden!

Jetzt freu ich mich darauf, dass wir uns ab Mittwochabend sehen…. Und ich hab auch schon gehört, dass es am Samstag ganz viele Luftballons geben wird – da werde ich mich in jeden ein bischen reinkuscheln.

Jetzt muss ich wieder weiter – denn es gibt noch viel zu tun!

Denkt an mich – ich bin bei Euch

Euer Tertulin
Der Geist von Schlehdorf!


(c) Michaela Buder

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